Ein Tümpel trocknet aus.
Zu einem Waldgebiet mit vielen
kleinen und größeren Tümpeln, das ich regelmäßig abging, gehörte auch ein kleiner Tümpel mit einem Durchmesser von ca. 4 m bei normalem Wasserstand. Anfang September haben die Larven des Vierfleck, Plattbauch und der Blaugrünen Mosaikjungfer
bereits eine beträchtliche Größe, so dass ihre Spuren im Schlamm deutlich und ausgeprägt zu sehen sind. Vorwiegend sind es die Larven der Segellibellen, die sich in den Boden eingraben und ihn durchpflügen. Die Larven der Blaugrünen
Mosaikjungfer hinterlassen in der Regel keine deutlichen Spuren.
Der Tümpel ist übersät von solchen Larvenspuren. Spätere Zählungen ergeben, dass sich fast 300 Larven von Segellibellen darin befanden, sowie ca. 60 bis 80 Larven der
Blaugrünen Mosaikjungfer.
Einige Larven graben erst eine Rundung, dann eine Gerade, so dass sich die Zeichnung eines Spazierstockes abzeichnet. An diesem Tümpel ist kein Wasserzulauf und er trocknet Tag für Tag etwas mehr aus.
Eines
Tages klettert eine Larve aus dem Wasser, der Wasserstand betrug nur noch ca. 10 cm am tiefsten Punkt. Sie läuft etwas am ausgetrockneten Grund umher entfernt sich ca. 50 cm von der Wasserlinie, bleibt stehen und sieht, dass sie beobachtet
wird. Sie bleibt stehen nun kehrt sie um, läuft einige cm, versteckt sich hinter einem Grashalm. Sie klettert weiter zurück, versteckt sich wieder, bis sie endlich wieder das Wasser erreicht und versteckt sich letztendlich wieder im Schlamm.
Man kann bei einem solchen Tümpel eine Unmenge an Beobachtungen machen.
Man sieht die Larven graben, wie sie sich Stück für Stück durch den Schlamm graben und dann jeweils für längere Zeit an einem Platz verharren. Man kann auch oft
erkenne, wie die Fangmaske vorschnellt und nach Beute greift, denn zu dieser Zeit sind auch tausende Fliegenlarven im Wasser. Durch diese Beobachtung wurde ich neugierig, was würde sein, wenn der Tümpel ganz austrocknet? Wie würden sie
sich verhalten, haben sie Überlebenschancen und welche Strategien würde sie verfolgen um zu überleben. Jedes Jahr trocknet dieser kleine Tümpel für Wochen oder Monate aus und trotzdem entwickeln sich darin immer Larven bis zur Schlupfreife.
In der Nähe ist ein Tümpel, der viel größer ist, dort entwickeln sich aber nicht so viele Larven. Die Ursache liegt vielleicht darin, dass im anderen Tümpel Goldfische sind, die den Schlamm aussaugen und Ringelnattern, so dass dort die
Überlebenschancen geringer sind.
Ich beobachtete ab Anfang September diesen kleinen Tümpel nun täglich.
Libellen von Karlheinz Schroth
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© alle Fotos von Karlheinz Schroth 1992 - 2009 |
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